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Maria Rast: Nach 115 Jahren geht in Gratkorn eine Ära zu Ende

  • 29. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Die Barmherzigen Schwestern verlassen Ende August die Dult. Mit ihrem Abschied endet ein bedeutendes Kapitel Gratkorner Geschichte – die Verbundenheit mit den Menschen in Gratkorn soll jedoch bleiben. Nach 115 Jahren geht in der Dult ein Stück Gratkorner Geschichte zu Ende. Ende August 2026 verlässt die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul den Standort Maria Rast. Was am 7. Oktober 1911 mit der Ankunft der ersten beiden Schwestern begann, findet damit nach mehr als einem Jahrhundert seinen Abschluss.



115 Jahre gelebte Geschichte

Die ersten beiden Schwestern kamen 1911 in die Dult, um die Sorge für die im Erholungsheim „Maria Rast“ beschäftigten Arbeiter zu übernehmen. Bereits 1912 wurde das Haus erweitert. In der Mitte des Gebäudes entstand die Hauskapelle. Im darauffolgenden Jahr konnte das neu errichtete Haus bereits 50 bis 60 Schwestern zur Erholung aufnehmen.


Auch ein eigener Friedhof wurde angelegt, auf dem 1915 das erste Begräbnis stattfand. Besonders herausfordernd waren die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Um 1940 kamen zahlreiche deutschsprachige Schwestern hinzu, die Jugoslawien verlassen mussten. 1943 lebten schließlich 109 Schwestern in Maria Rast.

Der Platzmangel führte 1966 zu einem Um- und Zubau sowie zu einer Vergrößerung der Kapelle. Am 18. September 1970 wurde schließlich jene Kapelle eingeweiht, wie sie viele Gratkornerinnen und Gratkorner bis heute kennen.

Immer nahe bei den Menschen




Maria Rast war aber weit mehr als ein Gebäude oder ein Kloster. Über Generationen hinweg war das Haus ein Ort des Glaubens, der Erholung und vor allem der menschlichen Begegnung. Die Schwestern kümmerten sich um ältere und kranke Menschen und suchten stets die Verbindung zur Bevölkerung.


Als die Gemeinschaft kleiner wurde und die Kräfte der älter werdenden Schwestern nachließen, änderte sich auch die Form dieser Verbundenheit: Aus dem „Gehen zu den Menschen“ wurde immer stärker ein „Öffnen des Hauses für die Menschen“. Ab März 2022 stellte die Gemeinschaft beispielsweise einen Trakt von Maria Rast für ukrainische Vertriebene zur Verfügung.


Gottesdienste, Maiandachten, Kreuzwege, Adventbesinnungen und Einkehrtage machten Maria Rast über viele Jahre auch für Menschen außerhalb der Ordensgemeinschaft zu einem besonderen Ort. Die Kapelle wurde für viele zu einem Platz der Ruhe, der Begegnung und des Kraftschöpfens.



Auch Kultur fand ihren Platz in Maria Rast

Eine besondere Verbindung zum Kloster hat Regierungsrat GR Günther Bauer, der als früherer Vizebürgermeister und Kulturreferent der Marktgemeinde Gratkorn immer wieder in Maria Rast zu Gast sein durfte.

Die damalige Oberin Schwester Roswitha kannte Bauer bereits aus seiner Zeit beim Land Steiermark. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Öffnung des Klosters für kulturelle Veranstaltungen.


RR GR Günther Bauer:

„Ich durfte öfters als früherer Vizebürgermeister und Kulturreferent im Kloster zu Gast sein. Die Oberin Schwester Roswitha kannte ich schon aus meiner Amtszeit beim Land Steiermark. Die Öffnung durch kulturelle Veranstaltungen im Kloster und in der Kapelle war für mich unbeschreiblich.“


Gerade diese Öffnung machte Maria Rast zu einem Ort, an dem sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten und Überzeugungen begegnen konnten.

Bauer selbst bringt diese besondere Bedeutung sehr persönlich zum Ausdruck:

„Auch für mich als evangelischen Christen haben Maria Rast und die Schwestern einen tiefen Eindruck hinterlassen. Ein Stück unserer Geschichte verlässt Gratkorn – die Verbundenheit bleibt.“


Ein Stück Gratkorn bleibt

Der Abschied der Barmherzigen Schwestern ist deshalb weit mehr als die Schließung eines Ordensstandortes. Nach 115 Jahren endet eine Geschichte, die eng mit der Dult und mit Gratkorn verbunden ist.


Die Schwestern selbst stellen ihren Abschied unter einen Gedanken ihres Gründers, des heiligen Vinzenz von Paul: „Wir sind niemals am Ziel, sondern immer auf dem Weg.“ Und auch wenn das Wirken der Barmherzigen Schwestern in Maria Rast nun zu Ende geht, soll die Verbundenheit im Gebet mit den Menschen in der Dult, in Gratkorn und darüber hinaus bestehen bleiben.


115 Jahre haben die Barmherzigen Schwestern Maria Rast geprägt. Gleichzeitig haben sie über Generationen hinweg Spuren im Leben vieler Menschen hinterlassen. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung.


Gratkorn sagt Danke für 115 Jahre gelebte Menschlichkeit, Glauben, Hilfsbereitschaft und Verbundenheit mit Gratkorn.



 
 
 

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